Die Geschichte dahinter

Manche Tage fühlen sich an, als hätte jemand einfach alles Mögliche zusammen in einen Mixer geworfen: ein bisschen Technik, etwas Nostalgie, eine Prise Selbstüberschätzung, ein wenig Musik, alte Erinnerungen und am Schluss natürlich noch ein Bier. Genau so ein Dienstag war das.

Los ging es mit einem Test-E-Bike, und zwar nicht irgendeinem, sondern einem Modell mit satten 160 Nm Drehmoment. Natürlich war sofort klar, dass ich herausfinden musste, wie sich so etwas in der Praxis anfühlt. Das Resultat: ziemlich eindrücklich. Das Velo zog kräftig an, machte richtig Spass und vermittelte zeitweise fast ein kleines Raketengefühl. Der Akku war von diesem Abenteuer allerdings etwas weniger begeistert. Nach rund 35 Kilometern hätte er am liebsten wohl gesagt: „Donald, wir müssen reden.“ Mit etwas reduzierter Leistung schaffte ich am Ende trotzdem ungefähr 50 Kilometer.

Zu einem wissenschaftlich völlig seriösen Praxistest gehört natürlich auch die Beobachtung der Geschwindigkeit im Alltag. In einer 30er-Zone gelang es mir dabei, ein elektronisches Geschwindigkeitsdisplay kurzzeitig emotional zu belasten. Die Anzeige meldete nämlich 42 km/h, was mich selber fast so erstaunte wie vermutlich das Gerät. Rein wissenschaftlich, selbstverständlich. Man will ja wissen, ob die Technik zuverlässig funktioniert.

Später wurde es musikalisch. Ich setzte mich ans Klavier und übte „Erinnerung an Zirkus Renz“. Im Kopf klingt so ein Stück immer schon fast konzertreif, unter den Fingern ist die Realität dann manchmal doch etwas bescheidener. Die aktuelle Spielgeschwindigkeit entsprach eher einer Schnecke mit Arthrose als einem Virtuosenauftritt. Das grosse Fernziel war an diesem Tag gedanklich sowieso nicht einfach „schneller spielen“, sondern eher die Stufe „Belfast-Xylophonist mit Rauchentwicklung“. Dieser Ausdruck entstand wegen eines Videos, in dem der Xylophonist bei einem Konzert von André Rieu in Belfast derart loslegt, dass man fast meint, gleich beginne das Instrument zu glühen. Davon bin ich noch ein Stück entfernt – aber man darf ja Ziele haben.

Solche Tage lösen manchmal auch alte Erinnerungen aus. Im Comic tauchte deshalb die Geschichte mit der Baustellenwarnlampe auf. Als Kind hatte ich einmal so eine gelbe Warnlampe „ausgeliehen“ und war damals wahrscheinlich der stolzeste Junge weit und breit. Heute ist die Welt etwas prosaischer: Heute würde ich das Ding einfach im Hornbach kaufen und mit ordentlicher Quittung nach Hause tragen. Aber als Kind war so eine Lampe eben noch ein kleiner Schatz.

Auch die Erinnerung an meine Schülerzeit auf dem Bau kam wieder hoch. Ich hatte damals zwei Wochen lang Armierungen verlegt – harte körperliche Arbeit, aber zugleich auch eine gute und prägende Erfahrung. Und wie das im Leben manchmal so läuft: Der verdiente Lohn hielt nicht besonders lange. Er wurde an der Freizeitmesse ziemlich effizient wieder vernichtet. Rückblickend kann man sagen: wirtschaftlich fragwürdig, erinnerungstechnisch aber durchaus lohnenswert.

Am Ende des Tages blieb also eine bunte Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit: E-Bike gefahren, Geschwindigkeitsanzeige erschreckt, Klavier geübt, Kindheitserinnerungen hervorgeholt, Bau-Erfahrung wieder hervorgekramt und schliesslich in den Buvette-Modus gewechselt. Nicht jeder Dienstag muss weltbewegend sein. Es reicht schon, wenn er genug Stoff liefert, um später darüber zu schmunzeln.